Rio+20 muss ein Gesicht bekommen um zur globalen Bewegung zu werden.

Jun 12, 2012 by

Rio+20 muss ein Gesicht bekommen um zur globalen Bewegung zu werden.

Ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugen – das muss auf diesjährigen Rio-Konferenz  passieren. Warum, frage ich mich, sind die Medien Experten darin, Panik zu streuen, wenn es um sinkende Börsenwerte geht, eher als steigende Meeresspiegel?  Warum schreibt man vom Klimawandel, als ob es noch ein Megatrend und keine Megabedrohung wäre?  Wahrscheinlich liegt das Problem genau darin, dass das Subjekt dieser Bedrohung, die ganze Welt, ein genauso umfangreichreiches wie anonymes Konzept ist und dass niemand sich richtig angesprochen fühlt, obwohl wir alle gleichzeitig verantwortlich und betroffen sind, bzw. werden.

Daher zielen die Schwerpunkte, die ich dieses Jahr auf der Rio-Konferenz setzen würde, darauf ab, dass Nachhaltigkeit ernst genommen wird und zwar nicht nur einmal pro Jahr: Personalisierung der Umweltpolitik, grünes Wachstum in den  Entwicklungsländern und Digitalisierung der umweltfreundlichen Lösungen.

1. Personalisierung der Umweltpolitik. Der Schwerpunkt der internationalen Umweltpolitik (wenn wir davon überhaupt sprechen können angesichts der schwer zu erreichenden Koordinierung) liegt auf internationalen Verhandlungen, Übereinstimmungen (erfolgreichen oder auch nicht) und damit verbundenen bürokratischen Verfahren. Diese Maßnahmen liegen zugrunde demokratischen Regierens, sind aber dafür nicht bestimmt, Begeisterung in der Bevölkerung zu schaffen. Dafür braucht man charismatische Leader, deren Gesichter hinter der globalen Umweltagenda stehen würden –  Menschen (Politiker aber auch Blogger), die inspirieren und nicht nur Beschlüsse fassen. Nachhaltigkeit ist mehr als ein Punkt auf der politischen Agenda – es ist ein Lebensstil und ein Richtwert, der gelebt werden muss. Ich würde mir daher wünschen, dass aus dem Rio-Konferenz eine Übereinstimmung und ein Gesicht herauskommt.

2. Grünes Wachstum in den Entwicklungsländern. Dieser innovative Ansatz, der die Entwicklungsfragen im Kontext der Nachhaltigkeit betrachtet, um aus dieser Perspektive die „win-win benefits“ zu erzeugen, muss weiterhin gefördert werden. Ein Bereich, in dem er besonders erfolgreich war ist der Bereich der Erneuererbaren Energien.  Bei der Einführung der erneubaren Energien in die Entwicklungsländer geht es nicht nur um Umwelt, sondern auch um die Entwicklung des Landes (was in der technischen Sprache „local content provisions“ heißt). Dabei werden auch so genannte grüne Jobs geschaffen was zur Entwicklung des Landes einen weiteren Beitrag leistet. Das ist nur ein Beispiel, wie die Entwicklungsagenda und die  Umweltfreundlichkeit einhergehen können. Solche „schlauen“ Lösungen müssten in der Zukunft stärker gefördert werden. Warum? Ein Grund ist, dass die Zeit läuft und dass man schlauer als die Zeit sein muss.

3. Digitalisierung der umweltfreundlichen Lösungen. Um eine breite internationale Bevölkerung zu erreichen, bedarf es mehr als einer Vielzahl von PR-Abteilungen, die alle von Nachhaltigkeit sprechen. Das Wort ist in aller Munde aber nicht in allem (internationalem und persönlichem) Handeln. Es geht darum, Kommunikationsmedien zu benutzen, um neue Maßnahmen für nachhaltiges Leben systematisch zu vermitteln und dabei zu inspirieren. Blogs, social networking Plattformen und andere Mittel müssen gezielt dafür genutzt werden, den internationalen, nationalen und lokalen Austausch zu nachhaltigen Lebensstilen zu fördern. Die Konferenz könnte auch mehrere internationale Projektgruppen auf die Beine stellen, die „best practises“ Austausch fördern und neben verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit, zur internationale Kooperation auf allen Ebenen (nicht nur der politischen) beitragen. Der Austausch muss als Dialog, der auf Offenheit und Empathie basiert ist, verstanden werden.

Wer ist gefragt zu handeln?

Vielleicht bin ich da eher traditionell, aber ich glaube, dass die meisten Impulse in Richtung verantwortliches Handeln von den politischen Entscheidungsträgern kommen sollten. Dabei ist es wichtig die internationale Koordinierung sicherzustellen oder einfach gesagt – sich endlich mal einigen. Das ist leichter gebloggt, gesagt oder gefordert, also getan. Trotzdem ist es wichtig, solche naiven und simplen Ansätze immer wieder anzusprechen: Internationale Koordinierung (mit den USA, mit China und anderen) im Namen der Ressourcen, die keine nationale Grenzen kennen, aber doch begrenzt sind.

Die Frage, wie man die Regierungen dazu bringt, freiwillig die Beschlüsse zu fassen, die sich aus kurzfristiger wirtschaftlicher Perspektive nicht rechnen, ist nicht einfach. Es reicht nicht, sich über das allgegenwärtige Primat des Ökonomischen zu beschweren (was ich allzu gerne und allzu oft selbst mache, siehe mein letzter Artikel zu Moral im Unternehmen), die Unternehmen müssten auch mit ins „Nachhaltigkeitsboot“ geholt werden. Die Regierungen, in Rio und darüber hinaus, müssen gute Rahmenbedingungen für Investoren schaffen, insbesondere im Fall der Technologien, die zu Anfang der Projektzeit hohe Kapitalkosten benötigen. Nachhaltigkeit ist ein Konzept, das langfristige Ziele verfolgt und deswegen in die kurzfristiger augelegten Planvorstellungen der Unternehmens nicht unbedingt heineinpasst. Die Politik sollte langfristige Strategien entwickeln können (was oft leider nicht der Fall ist) .

Empathie – ein fehlendes Baustein

Am Ende ist jeoch die Grundlage von einer Gemeinwohlgesellschaft und nachhaltigem Handeln nicht die Politik, nicht die Wirtschaft sogar, sondern Empathie. Keine politische Entscheidung oder wirtschaftliche Investition wird etwas bewegen, wenn diese grundsätzliche psychologische Einstellung in den Bevölkerungen fehlen wird: Empathie mit dem anderen Menschen, der in einem Land wohnt, wo der Klimawandel schon spürbar wird; Empathie mit einem noch nicht geborenen Menschen, der eine Zukunft auf diesem Planeten auch mal gerne haben würde; Empathie mit der Umwelt, die wir für selbstverständlich und, trotz der „5-Minuten-vor-12-Prophezeiungen“ für unerschütterlich halten. Hielten nicht die meisten vor dem Lehman-Jahr 2008 unser über die Jahre verfestigtes Wirtschaftssystem auch für „unerschütterlich“? Die Konsequenzen der Umweltkrise sind schon spürbar, aber von den meisten werden sie ignoriert. Warum?

Wirtschaft, trotz der gegenwärtigen kritischen EU-Lage, ist leichter reparierbar als zerstörte Okosysteme. Selbst wenn Wirtschaftsfragen in Europa jetzt dringender als alles andere erscheint, und wenn Kanzlerin Merkel deswegen nach Rio nicht fliegt, ist der Glaube dass Wirtschaft herrscht und alles anderen ihr untergeordnet sei, falsch.

In Rio wünsche ich mir, dass jemand diese Fragen offen und in diesem vielleicht kontroversen Zusammenhang mit der Wirtschaft und Moralität anspricht. Das wäre schon der erste Schritt in Richtung Wandel.

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1 Comment

  1. K

    It’s hard to choose between industrial progress and natural balance. I belive that minimum all of G8 think about this problem and take it seriously. We shall all make small steps to this direction and keep world beautifle as it is 🙂

    Interesting article but there is not much questions that can cause discussion. Anyway I really want to discuss it with you 😉

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